„Es geht im Leben darum glücklich zu sein …“
Ohne Namen, 33 Jahre
Seit wann weißt du, dass du keine Kinder möchtest bzw ohne eigene Kinder leben willst?
Vorstellen, Kinder zu bekommen, konnte ich mir eigentlich nie. Natürlich gab es da Phasen, diesen kleinen Gedanken, aber lange hielt er nicht an. Die Entscheidung bzw Tendenz ist da, seit dem ich Mitte 20 bin und das Thema immer näher rückt.
Hattest du je einen Kinderwunsch?
Nicht wirklich. Natürlich sind gewissen Vorstellungen und Gedanken da. Aber einen bewussten Wunsch, dass Kinder zu meinem Leben gehören, kenne ich nicht.
Magst du Kinder generell?
Ehrlich gesagt, würde ich diese Frage eher mit einer Tendenz zum „nein“ beantworten.Natürlich gibt es Kinder in der Familie, die mir nahe stehen, die ich liebe und mit denen ich gerne Zeit verbringe. Allerdings empfinde ich es oft als anstrengend, laut und nervig, wenn Kinder in der Umgebung sind. Auch mit Säuglingen/ Kleinkindern kann ich nicht viel anfangen, da mir die Beschäftigung schnell zu eintönig erscheint. Am Ende eines solchen Tages bin ich immer froh, mich zurück zu ziehen und in ein Zuhause zu kommen in dem es ruhig und entspannt zugeht. Im Urlaub kommt nur „Adults only“ in Frage.
Hast du in deinem Alltag Kontakt zu Kindern? Wenn ja, welchen und wie empfindest du das?
Nur durch Freunde und Familie. Die Zeit zusammen ist schön. Zu Hause genieße ich dann aber wieder die Ruhe. Zu Neffe und Nichte meines Mannes habe ich näheren Bezug und bin gerne für sie da.
Gibt es spezielle Gründe, warum du dich für ein Leben ohne eigene Kinder entschieden hast?
Da ich keinen ausgeprägten Kinderwunsch habe, ist es weniger eine Entscheidung gegen etwas. Ich fühle es nicht wirklich. Vorteile sind auf jeden Fall: Freiheit, Unabhängigkeit, weniger Stress im Alltag als Frau, ich kann ein selbst bestimmtes Leben führen.
Hast du dein Umfeld bewusst damit konfrontiert oder hat es sich mal im Gespräch ergeben?
Eine bewusste „Aufklärung/ Outing“ steht mir noch bevor. Von der näheren Familie wird das Thema auch nicht angesprochen. Darüber bin ich sehr dankbar, da ich weiß, dass es auch anders sein kann und man sich rechtfertigen muss. Es kommen eher Kommentare, wenn Freunde meiner Eltern noch mal Großeltern geworden sind. Ein Onkel war eine Zeit lang sehr hartnäckig. Das hat sich aber gelegt.
Wie fühlst du dich in einer Gesellschaft, in der Familie einen so hohen Stellenwert hat?
Zum aktuellen Zeitpunkt gut aufgehoben, da ich selber ein sehr familiärer Mensch bin. Wie sich das Ganze mit zunehmendem Alter entwickelt, bleibt noch offen.
Was denkst sind Gründe, weshalb viele Menschen, auf die Entscheidung bewusst ohne Kinder zu leben, mit Unverständnis/ Erstaunen reagieren?
Bei Älteren ist die Generation, Rollendenken, die klassische Rollenverteilung. Bei den Jüngeren eigene Idealvorstellungen vom Leben, in dem sie selbst gerne Kinder haben möchten. Oder ihr Scheuklappenblick, dass sie gar nicht in Erwägung ziehen, ein Leben abseits der klassischen Gesellschaftsvorstellung zu leben.
Denkst du die Gesellschaft behandelt Männer da anders als Frauen? Hast du das selber schon Erfahrungen gemacht?
Ich selber nicht. Im Arbeitsumfeld eines Mannes merkt man in der Regel kaum ob er Kinder hat oder nicht, da Männer selten Elternzeit nehmen oder in Teilzeit gehen.
Was ist für die die größte Herausforderung in deinem kinderfreien Leben?
Das Teilen meiner Gedanken mit gleichgesinnten Frauen. Sonst muss man sich eher zurück halten und kann eher selten sagen, was man denkt. Ich kann mich mit meinem Mann austauschen aber das ist nicht das gleiche.
Wie würdest du mit einer ungeplanten Schwangerschaft umgehen?
Wenn man nicht in der Situation ist, kann die Antwort anders ausfallen, als wenn es einen wirklich betrifft. Aber Stand jetzt ganz klar: Abtreibung
Wenn du einem jungen Menschen, der sich über das Thema Gedanken macht etwas mitgeben könntest, was wäre das?
Hör auf dein Herz und auf dein Inneres. Lass dir nicht von außen einen vermeintlichen Weg vorgeben. Es geht im Leben darum glücklich zu sein. Schiebe das Thema nicht auf, das bringt meist nichts.
Wie gestaltest du dein Leben ohne vorgegebene Strukturen wie Kita/ Schule ect. Gibt es etwas, dass du nur durch ein kinderfreies Leben tun kannst?
Entspannt den Feierabend genießen und nur das tun worauf ich Lust habe. Außerhalb der Ferien günstiger reisen, Festivals besuchen, am Wochenende ausschlafen.
Müsste sich im Außen etwas verändern, damit du dich doch noch für Kinder entscheidest?
Geregeltere Betreuung, besserer Wiedereinstieg in den Job, Anerkennung der Care-Arbeit …
Allerdings sind das alles Themen, die erst nach meiner inneren Überzeugung eine Rolle spielen würden.
Hast du noch einen Gedanken, den du noch loswerden möchtest?
Kinderfrei zu leben sollte eine offenere Rolle spielen. Es braucht Vorbilder und Aufklärung und viel mehr Selbstverständlichkeit. Aktuell fühlt es sich noch so an, als müsste man sich „outen“.